Kinder fragen nach Leid und Gott (vergriffen, ggf. antiquarisch erhältlich)

Kinder fragen nach Leid und Gott (vergriffen, ggf. antiquarisch erhältlich)

Kinder beschäftigen sich intensiv mit Gerechtigkeit, Krieg, Leid in der Welt und damit auch mit der Frage nach Gott. Das vorliegende Praxisbuch für den Religionsunterricht sensibilisiert für diese Kinderfragen und bringt sie in einen Dialog mit biblischen Themen. Von den Kindern herkommend, werden biblische Hoffnungen für heute vergegenwärtigt. Das geschieht mit ausgearbeiteten Praxisbausteinen und durchgestalteten Unterrichtseinheiten. Über eine Fülle von erprobten Texten und eindrucksvollen Bildern wird die Nähe der Kinderfragen zur Bibel für den Unterricht fruchtbar gemacht. Viele konkrete Anregungen ermöglichen ein erfahrungsnahes religiöses Lernen mit der Bibel.

Ein sehr wichtiges Buch für mich, an dem ich wegen der „Schwere“ des Themas sehr lange gearbeitet und besonders die Komposition der einzelnen Elemente intensiv bedacht habe: Es ist bei aller Eigenständigkeit gewissermaßen die didaktische Vertiefung meiner Konzeption mit dem Schwerpunkt eines fragenorientierten Lernens mit der Bibel.

An drei Unterrichtsreihen im 4. Schuljahr zu Kain und Abel, Hiob und den Propheten, also rund um die Fragen der Kinder nach Krieg und Frieden, nach Leid und Gott und nach Gerechtigkeit wird dieser Ansatz wieder sehr praxisorientiert umgesetzt und veranschaulicht. Neun Blickrichtungen religiösen Lernens werden präsentiert und reflektiert. Zusammen mit ‚Kinder und die großen Fragen’ beschreibt dieses Buch meine religionspädagogischen Grundlagen.Rainer Oberthür

Paperback, Broschur, 216 Seiten, 16,5 x 24,0 cm Mit zahlr. Abb. 7. Aufl. 2011 ISBN: 978-3-466-36493-0 € 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90 * (* empf. VK-Preis), Kösel-Verlag

Rezension

Rainer Oberthür spricht nicht von einer Wende, er vollzieht sie. Die Theodizeefrage, lange nur als schwierige Störung des Unterrichts empfunden, ein Topos der großen Verlegenheit, wird auf einmal zu einem Unterrichtsimpuls, der die Kinder aufblühen und zu ganz neuen Entdeckungen an der Bibel kommen lässt. Ausgerechnet das Buch Hiob wird für Grundschulkinder zu einem spannenden Unterrichtsgegenstand, der ihnen den Mund öffnet. Und die Propheten bleiben nicht länger Ausnahmefiguren einer längst vergangenen Unmittelbarkeit zu Gott, sondern sie bieten den Kindern auf einmal Möglichkeiten der Identifikation, die sie wahrnehmen, als hätten sie lange darauf gewartet: Endlich finden sie eine Sprache, die ihnen zu sagen erlaubt, wie bedrohlich sie all die mühsam übertünchte Unmenschlichkeit empfinden, mit der wir Erwachsenen uns längst abgefunden haben. Das Buch nimmt uns mit hinein in einen Unterricht, in dem die Bibel ebenso nachhaltig und authentisch zu Wort kommt wie die Kinder.

Die Bibel begegnet den Kindern nicht als »Text«, sondern – wenn nicht in lebendiger Erzählung – in der Gestalt einzelner Sätze, die sie als Wortkarten vor Augen haben. Immer wieder lehrt die Erfahrung, dass ein ganzer Text eine Klasse zum Schweigen bringt, solch ein einzelnes Bibelwort aber zum Reden. Die Wortkarte fesselt die Aufmerksamkeit und die Kinder suchen in ihrer Erinnerung und verbinden sie mit dem Kontext ihrer eigenen Erfahrungen. Oberthür erwartet viel von den Kindern und von der Bibel. Er hört nicht auf, konsequent nach dem Elementaren zu fragen, und er ist ebenso sensibel im Umgang mit künstlerischen Antworten wie mit denen der Kinder. In alledem aber findet er eine glückliche Koinzidenz mit den Entdeckungen der neuen Grundschulpädagogik. Es ist das Buch eines Praktikers, der selbst immer wieder staunt über das, war er da mit den Kindern entdeckt.

Alles in allem: ein tröstliches und stärkendes Buch, das einmal mehr zeigt, wie notwendig für heutige Kinder ein Unterricht ist, der über Religion(en) nicht nur aus dem Abstand zu informieren weiß – und wie arm die Schule wäre ohne einen solchen Unterricht.

Ingo Baldermann in: Katechetische Blätter 3/2000

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