Die Seele ist eine Sonne (vergriffen, ggf. antiquarisch erhältlich)

Die Seele ist eine Sonne (vergriffen, ggf. antiquarisch erhältlich)

Kinder wissen tatsächlich viel vom Leben und seinen Geheimnissen. Dieses Buch nimmt Erwachsene mit auf eine spirituelle Entdeckungsreise: Wir staunen über die Schönheit, den Reichtum, den Hintersinn und Witz der Texte und Bilder von Kindern. Wenn wir Erwachsene auf Kinder hören und sie ernst nehmen, sie erzählen, dichten und malen lassen, dann wird unser Nachdenken und unsere Suche nach Orientierung mit neuen Perspektiven überrascht. Die großen Menschheitsfragen nach dem Ziel des Lebens, nach dem Leid in der Welt und nach Gott treiben Kinder genauso wie Erwachsene um. Dieses Buch will daher Sehschule für Erwachsene sein: Die Zeugnisse der Kleinen bewegen die Großen. Viele Anregungen werden gegeben, Kinder zu Hause und in der Schule intensiv zu Wort kommen zu lassen. – Ein eindrucksvolles Geschenk für Eltern, Großeltern, ErzieherInnen, LehrerInnen – besonders auch ReligionslehrerInnen.

Im Jahr 2000 erschienen, erlebte das Buch erfreuliche 4 Auflagen, ist derzeit leider vergriffen, eine Neuauflage wäre mehr als schön: Denn dieses Buch enthält eine an vielen praktischen Beispielen entwickelte Theologie von und mit Kindern, überraschende und berührende Gedanken und Bilder von Kindern, und das in einer Zeit, in der noch kaum jemand von Kindertheologie sprach. Zudem ist dieses Buch mein erstes, das ich nicht ausschließlich für ReligionslehrerInnen geschrieben habe, sondern für alle Menschen, die sich von Kindergedanken und -bildern beschenken lassen. Viele Sätze von Kindern aus diesem Buch zitiere ich heute noch gern: ‚Die Stille ist das Brüllen der Löwen, wenn sie schlafen.’ ‚Das Leben ist schön, der Tod muss sein.’ ‚Die Seele ist eine Sonne im Menschen.’Rainer Oberthür

Rezension

Buch des Monats„Die Seele ist eine Sonne“ wurde ausgewählt zum religiösen Buch des Monats April 2000

Alle Leute jammern: Die heutigen Kinder haben keinen Sinn mehr für Religion! Pokémon und RTL haben sie verdorben für immer. Alle jammern? – Nein, einer nicht: Rainer Oberthür. Er überrascht die Leserinnen und Leser mit einem erstaunlichen Buch. Jungen und Mädchen im Grundschulalter sind dessen eigentliche Autoren. Dieses Buch versammelt zahlreiche Zeugnisse tiefer Religiosität von Kindern, ja Ansätze von mystischem Erleben und Denken. Genauer: in 22 kleinen Kapiteln dokumentiert der Verfasser Texte und Bilder von Kindern zu unterschiedlichen Lebensfragen (Stille, Seele, Schöpfung, Zeit und Vergänglichkeit, Tod, Leiden, Krieg). Im Zentrum, das diese Themen umkreist, steht aber die Suche nach Gott. Die Abschnitte sind analog aufgebaut: Kinder reagieren schöpferisch auf eine Frage, auf einen Text oder auf ein Bild, danach erläutert der Autor sein methodisches Vorgehen und schließt eine didaktische Reflexion an.

Wer dieses Buch liest, gerät ins Staunen: Das sollen Kinder gesagt, geschrieben und gemalt haben? Was zunächst unglaublich erscheint, leuchtet zunehmend ein. Den Rainer Oberthür demonstriert unaufdringlich eine pädagogische Haltung: das Vertrauen in die Kinder, in ihre Reife, in ihr Verlangen, sich uns ihre Welt zu verstehen. Und an den Herausforderungen, die ihr Lehrer ihnen stellt, wachsen sie. Mit seinem Unterricht erweitert Rainer Oberthür die Selbstwahrnehmung der Kinder, ihr Weltverständnis und ihre Ausdrucksfähigkeit. (Die Frage, was kindgemäß sei, verliert dabei an Gewicht. Der Verfasser konfrontiert die Kinder beispielsweise mit Texten von Erich Fried, Angelus Silesius, Pablo Neruda; er zeigt ihnen Bilder von Odilon, Redon und Jean Cocteau. Und im Blick auf diese Modelle wächst den Kindern der Mut zu eigenen Versuchen. Geradezu bewundernswert ist es, wie sie unter der geschickten Anleitung zu Dichtern und Künstlern werden. – Aber war nicht auch Jesus ein Dichter?)

Dieses Buch kann man auf mehrere Arten lesen: Zunächst ist es eine Schule der Wahrnehmung; es lädt Kinder ein, aufmerksamer zu sehen. Sodann dokumentiert das Werk, was Religionsunterricht sein sollte: ein Ort der Nachdenklichkeit, an dem Leben und Glauben sich gegenseitig erhellen. Unangestrengt zeigt Rainer Oberthür, was einen korrelativen Religionsunterricht auszeichnet: Er stößt jene immer neu einsetzende Pendelbewegung an, in der Glaubensüberlieferung und Lebensgeschichte einander begegnen und interpretieren. Von ähnlichem Wert sind die methodischen Arrangements, die vorzüglich zu den Zielen und Inhalten dieses Unterrichts passen – eine wahre Fundgrube! Nicht zuletzt bietet der Verfasser eine religiöse Sprachlehre und eine Gotteslehre für Kinder. – Und schließlich hat der Verlag dafür gesorgt, dass diese vielen Ideen und Dokumente in einem schönen Buch präsentiert werden. den Titel verdanken die Leserinnen und Leser übrigens auch einem Kind. Es schrieb: „Die Seele ist eine Sonne im Menschen.“

Franz W. Niehl in: Katechetische Blätter 3/2001